Gintarė Adomaitytė
Gintarė Adomaitytė (geb. 1957) verfasst in letzter Zeit zunehmend Kinder- und Jugendliteratur. In diesem Buch werden zehn literarische Märchen veröffentlicht, die jedes für sich, aber auch zusammenhängend gelesen werden können. Die Stadt der Winde, von der ein kleiner, neugieriger Wind der Autorin berichtet haben soll, ist als Handlungsort allen Märchen gemeinsam. Wichtige Handelnde sind der Größte Wind sowie verschiedene andere kleine oder junge Winde wie der Neugierige, der Windfang, die Schlafmütze, der Flegel, die Empfindsame. Auch manche der Märchensujets verbinden sich oder fließen ineinander. In einem der Märchen wird der Schuster Schweiger erwähnt, in einem anderen erfahren wir von seiner Tochter Smiltė, die „jedes Ding in der Stadt klingen hört“ und die gerne im Regen auf der Straße tanzt. In einem anderen Märchen trifft Smiltė einen Geiger, der nur nachts seine Geige spielt und dessen Melodien die Winde zu den Menschen tragen. Sie heiraten, und es stellt sich heraus, dass der Geiger, genau wie Smiltė, aus einer ihnen fremden Stadt weggelaufen ist – daher sein seltsames Verhalten. Adomaitytės Märchen enthalten Elemente des Spiels und des Nonsens (in der kleinen Stadt „regnet es Schnee und schneit es Regen“), erkennbar ist auch das Textmodell von Märchen über Spielzeug (toy stories). Doch das wichtigste Merkmal dieser Märchen besteht im Poetischen sowie in allegorischen Anspielungen. Die Tradition des literarischen Märchens von Oscar Wilde sowie Hans Christian Andersen ist hier augenfällig, jedoch sind die Texte Adomaitytės nicht zu kompliziert, für Leser im Vorschul- und Grundschulalter völlig verständlich und helfen ihnen, ein Gefühl für echte, kunstvolle Literatur zu entwickeln.
Vėjų miesto pasakos (Märchen aus der Stadt der Winde). Vilnius: Gimtasis žodis, 2003. 46 pp. ISBN 9955-512-38-7 |